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Pressemeldung

Pleiten, Pech und Pannen bei der Geldanlage – und bei Containern!

Prof. Dr. Stephan Schöning, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzen der SRH Hochschule Heidelberg am Campus Calw, beobachtet seit langem den „Grauen Kapitalmarkt“ und hat hierzu Fachartikel veröffentlicht. Nach der P&R-Insolvenz, bei der zehntausende Anleger um ihr Geld bangen, erläutert er in diesem Beitrag, was bei der Graumarktfirma schiefgegangen ist, was es Anlegern erschwerte, den Risikogehalt des P&R-Angebots zu erkennen, und was bei Anlagen generell zu beachten ist.

Zehntausende Anleger bangen um ihr Geld, das sie in Container investiert haben.

Was hat es nicht schon alles gegeben: Windkraftanlagen, Filmfonds, Schiffsfonds, offene Immobilienfonds, die dann doch geschlossen wurden, Goldsparpläne oder vermeintlich hochverzinste Anleihen von Unternehmen, die von ihrer Bank keinen Kredit mehr bekamen. Und nun Schiffscontainer: Rund 3,5 Milliarden Euro flossen von 50.000 Anlegern an P&R und aktuell ist unbekannt, ob und was die Anleger davon wiedersehen werden.

Dabei hörte sich das Angebot doch so einfach und so gut an: Man kauft Container zu 2.300 Euro das Stück, lässt diese über fünf Jahre vom Anbieter weitervermieten und bekommt am Ende einen festen Preis für den gebrauchten Container zurück. „Bewährt, verständlich, konservativ", so die Webseite des Anbieters von Direktinvestments. Mit dem niedrigen Einstiegspreis richtete sich das Angebot speziell an Kleinanleger.

Und was sollte schon schief gehen, denn schließlich ist der Anbieter seit 1975 auf dem Markt tätig und hat alle Zinsen und Rückerstattungen über die Jahre pünktlich bezahlt. Wer konnte ahnen, dass seit Jahren die an die Anleger ausgeschütteten Mieterträge weitaus höher waren, als am Markt gezahlt wurde und dass die Container überteuert eingekauft und auch zu teuer zurückgegeben wurden. Einiges spricht dafür, dass es ein typisches Schneeballsystem war. Das lief solange gut, so lange frisches Geld von Anlegern eingesammelt werden konnte.

Bei ständig steigendem Welthandelsvolumen und immer größeren Containerschiffen schien es sich ja um einen ausgesprochenen Wachstumsmarkt zu handeln. Zumal der Anbieter zusicherte: „Beteiligte Partner analysierten und ermittelten kontinuierlich den realen Bedarf der Weltmärkte an den stählernen Transportkisten." Warum sich also mit kümmerlichen Zinsen auf dem Sparbuch zufriedengeben.

Gleichwohl gibt es drei Aspekte, die den aktuellen Fall von ähnlich gelagerten Fällen der Vergangenheit unterscheiden: zum einen die lange Zeitdauer, in der der Schwindel funktionierte. Zum anderen die verglichen mit anderen exotischen Anlagen relativ niedrige Verzinsung, die Zweifel an der Seriosität zerstreute. Beides zusammen machte es für Anleger relativ schwer, den Risikogehalt zu erkennen. Und zuletzt die Größenordnung, die alle bisherigen Dimensionen sprengt.

Dennoch, was ist daraus zu lernen?

  1. Direktinvestments, zu denen auch Tropenholzpflanzen in Malaysia oder Palmölinvestments gehören, waren, sind und bleiben hochriskante Geldanlagen. Sie sind nur für Anleger geeignet, für die ein Totalverlust kein Weltzusammenbruch ist. Für alle anderen Anlegergruppen sind sie tabu.
  2. Alle Regulierungsmaßnahmen der letzten Jahre zum Trotz, ist der Graue Kapitalmarkt kaum zu bändigen. Wem nützen etwa Beschränkungen von geschlossenen Fonds, wenn sich diese durch neue phantasievolle Produktbezeichnungen umgehen lassen? Wozu dient eine Prospektpflicht, wenn die Prospekte von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nur auf inhaltliche Vollständigkeit, aber nicht auf Plausibilität geprüft werden? Banken ersticken im Protokollierungswahnsinn, aber Finanzberater benötigen weiterhin nur einen sechswöchigen IHK Berater-Lehrgang mit anschließender Prüfung, bevor sie loslegen dürfen.

Daher gilt für jeden Anleger immer noch die einfache Weisheit: Es gibt keine Schnäppchen am Finanzmarkt! Denn wenn es sie gäbe, dann wären sie blitzschnell von den unzähligen Finanzprofis aufgekauft, die ständig den Markt im Auge haben.

Und in der aktuellen Niedrigzinsphase sind Geldanlagen, die zumindest die Inflation ausgleichen, Mangelware und immer mit Risiken behaftet.

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Christiane Désiré

Hochschulmarketing

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