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Pressemeldung

Calwer Professor besucht Hochschulen in Litauen

Auf Einladung der staatlichen Akkreditierungsagentur Litauens (SKVC) besuchte Prof. Dr. Stephan Schöning Ende Oktober 2017 zum vierten Mal als Leiter einer internationalen Expertengruppe drei Hochschulen in Litauen. Anlass war die Überprüfung von insgesamt sieben Professional Bachelor-, Bachelor- und Master-Studiengängen im Bereich Economics. Im Interview schildert er seine Eindrücke. 

Foto: Universitätsbibliothek in Šiauliai (J. Kamenskas)

Herr Schöning, wie würden Sie die Hochschullandschaft in Litauen beschreiben?
Stephan Schöning:
Die Hochschulen in Litauen sind mit dem sehr starken Rückgang der Studierenden konfrontiert. Im litauischen Hochschulwesen existieren – nicht zuletzt aufgrund einer staatlichen Vorgabe von definierten Studienfeldern – übermäßig viele, recht eng verwandte Studiengänge. Eine im Sommer 2017 erlassene Neuregelung, dass zum Start eines Bachelor-Studiengangs 15 Studierende und zum Start eines Master-Studiengangs zehn Studierende erforderlich sind, traf viele Hochschulen eher unvorbereitet. Viele Studiengänge wurden im Oktober wegen unzureichender Bewerberzahlen ausgesetzt. Zudem ist eine umfassende Reform der Hochschullandschaft mit Fusionen von Universitäten oder der Zusammenfassung mit Fachhochschulen angekündigt, was zusätzlich Unsicherheit schafft.

Ihre Aufgabe als Leiter einer internationalen Expertengruppe bestand darin, die Universitäten in Šiauliai und Klaipėda (ehemals Memel) sowie das Vilnius Kollegium zu bewerten. Wie lautet ihr Fazit?
Stephan Schöning: Eklatant ist der sehr unterschiedliche Umgang mit den geschilderten Herausforderungen. Naheliegende Zusammenlegungen von Programmen werden nicht oder nur zögerlich angedacht. Zudem bieten einige Hochschulen bis heute keine Module und Studiengänge in Englisch oder in einer anderen Fremdsprache an. In Litauen ist es gesetzlich vorgeschrieben, das gesamte Studienangebot in Litauisch durchzuführen. So verständlich diese Regelung in Anbetracht von Sprache als Bestandteil eines „Nation Building“ ist, so sehr hemmt es natürlich die wirtschaftliche Entwicklung in einer Volkswirtschaft mit nur drei Millionen Einwohnern. Nur wenige Hochschulen nutzen bislang die Ausnahmeregelung, ein Programm auch in Englisch anbieten zu dürfen, wenn ausländische Studierende daran teilnehmen.

Welchen Eindruck hatten Sie von den Gebäuden und der Lernumgebung?
Stephan Schöning: Abhängig vom Zugang zu EU-Finanzmitteln sind die baulichen Gegebenheiten weiterhin sehr unterschiedlich: Während in Šiauliai eine ultramoderne Universitätsbibliothek aufgebaut wurde, befinden sich die Hauptbibliothek in Klaipėda in einem Altbau und die Fakultätsbibliothek Wirtschaft sogar in einem ehemaligen Nachtclub mit Gittern im Eingangsbereich.

Welche Unterschiede haben Sie im Vergleich zum deutschen Hochschulsystem besonders überrascht und was können deutsche Hochschulen von litauischen Hochschulen lernen?
Stephan Schöning:
Alle Masterstudienprogramme, egal ob Voll- oder Teilzeit, finden abends und am Wochenende statt, da fast alle Studierenden tagsüber arbeiten. Bei den Bachelor-Programmen wird zwischen anwendungsorientierten Professional Bachelor-Programmen an Colleges und wissenschaftsorientierten Bachelor-Programmen an Universitäten unterschieden. Letztere ermöglichen einen direkten Zugang zu Master-Programmen, bei den anderen ist ein Brückenprogramm zu absolvieren. Diese Unterscheidung hat durchaus Vorteile im Hinblick auf die Ausgestaltung des Studiums. 

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Christiane Désiré

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